Dahin. Dahin.

Die bildende Künstlerin Barbara Müller hält sich 2018/19 immer wieder über Tage hinweg in Dessau auf. In künstlerischen Aktionen und Interventionen sucht sie nach Orientierung, nach Bezügen der in unterschiedlichen Zeiten geprägten Landschaften und nach Möglichkeiten, dem Ort etwas Neues hinzuzufügen. Noch bis zum 26.7.2019 ist die Fotodokumentation ihrer Dessauer Arbeiten in der Wissenschafltichen Bücherei zu sehen,

B. M.: „Der Ort spielt in vielen meiner Arbeiten eine wichtige Rolle. Hier finde ich meine Handlungsfläche, in welcher ich Mitgebrachtes einbringe oder Vorgefundenes verwende.

Ich beobachte, hebe auf, füge hinzu. Für meine Beiträge entdecke ich randläufige Orte. Dem entsprechend ist das Material, dem ich mich zuwende, unspektakulär und alltäglich.

Ausgewählte Stellen werden zum Aktionsfeld. Vor der Brache einer Tankstelle lege ich zusammengefaltete Leinwände aus, sammele Eicheln im Georgengarten, vergrabe Papierfaltungen am Elbufer. Eine Arbeitsweise ist, dass ich Handlungen wiederhole, um Präsenz zu erreichen und mein Vorgehen zu konzentrieren. Meine performativen Prägungen der Orte sind für mich sowohl Selbstbefragungen als auch gestalterische Manifestationen. Es geht um den spezifischen Ort. Es geht um die eigene Existenz.“

Vom 20. Mai bis 26. Juli zeigt Barbara Müller die Fotodokumentation dieser Arbeiten im Foyer der Wissenschaftlichen Bibliothek.

Die zwei Präsentationsmöbel verwandelt Barbara Müller in Kunstobjekte. Was sich hier schichtweise gefaltet, eingezwängt und verschlossen präsentiert, sind Leinwände, die im öffentlichen Raum zum Einsatz kamen.

B. M.: „Auf der Brache vor dem Räucherturm führte ich eine Malaktion durch. Dabei suggerierte ich eine Art ‚Action Painting‘, dessen ursprüngliche, spontane Ausdrucksform ganz dem Hier und Jetzt Ausdruck verleiht. Auf einer zweiten Leinwand vollzog ich alle Vorgänge noch einmal, und erzeugte eine Doppelung. Der Abstand zwischen den beiden Leinwänden war so groß, dass die Wiederholung weniger im visuellen Vergleichen als aus der Erinnerung erfolgen musste.“

Barbara Müller wählte dafür diese Stadtbrache, weil der Ort, das Geschehen, aus den unterschiedlichsten Perspektiven wahrzunehmen ist: sekundenschnell aus dem fahrenden Zug, vom Aussichtsturm herab, im Auf und Ab von der BMX-Fahrradstrecke oder als Fußgänger auf Augenhöhe mit der Künstlerin.

Barbara Müller – geboren 1962 in Zwickau, lebt und arbeitet in Berlin, 1989-1997 Studium an der HKD Burg Giebichenstein Halle, 2001 – 2004 Lehrauftrag und künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeit HKD Burg Giebichenstein, 2007 Master of Art, Art in Context, UdK Berlin

20.5.-26.7.2019 Ausstellung im Foyer Palais Dietrich, Zerbster Straße 35, Mo 10-14 Uhr, Di und Do 14-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr, Eintritt frei

Ein Projekt vom Büro Otto Koch im Kiez e.V.